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Bernstein Konferenz in Göttingen

Vom 13. – 15. September 2017 kommen internationale Wissenschaftler auf dem Gebiet der Computational Neuroscience zur Bernstein Konferenz nach Göttingen. Ihre Agenda: wie kann computerbasierte Neurowissenschaft helfen, die Komplexität des Gehirns zu verstehen?

 

Um Vorgänge im komplexesten System der Natur – unserem Gehirn – zu verstehen, sind Computer mittlerweile unverzichtbar. Die alljährliche Bernstein Konferenz bietet europaweit eine der wichtigsten Möglichkeiten zum internationalen wissenschaftlichen Austausch auf dem Gebiet der computerbasierten Neurowissenschaft. Die diesjährige Konferenz wird vom Bernstein Zentrum Göttingen ausgerichtet, an dem neben der Universität Göttingen und den Max-Planck-Instituten für Biophysikalische Chemie, für Dynamik und Selbstorganisation und für Experimentelle Medizin auch das Deutsche Primatenzentrum beteiligt sind.

Ob Physik, Biologie, Chemie oder Computerwissenschaften: Über Disziplingrenzen hinaus nutzen Forscher der noch jungen Disziplin Computational Neuroscience mathematische Modelle und Computersimulationen, um die Funktionsweise des Gehirns zu untersuchen. Dabei reichen die Themen von der Informationsverarbeitung über Wahrnehmung und Gedächtnis bis hin zu Gehirn-Computer-Schnittstellen, Neuroprothesen und Robotern. Theoretische Neurowissenschaftler widmen sich unter anderem der Frage, wie das Gehirn Entscheidungen fällt. „Mit computerbasierten Simulationen einzelner Nervenzellen, aber auch ganzer neuronaler Netzwerke, können wir gemeinsam mit Kollegen in Medizin und Neurobiologie Brücken zu neuen Erkenntnissen bauen,“ sagt Professor Fred Wolf, Hauptorganisator der Bernstein Konferenz und Leiter des Göttinger Bernstein Zentrums. „Zukünftig können sich aus unserer Forschung Anwendungen im medizinischen Bereich ergeben, beispielsweise bei der Entwicklung intelligenter Prothesen, einer verbesserten Diagnostik neurologischer Erkrankungen aber auch in Robotik und künstlicher Intelligenz.“

Am 15. September beschäftigt sich ein Themenblock dezidiert mit Fragen der Primatenkognition; organisiert und geleitet wird diese Session von Julia Fischer und Alexander Gail (Deutsches Primatenzentrum und Leibniz-WissenschaftsCampus), Sprecher sind Matthew Rushworth (Oxford), Andreas Nieder (Tübingen) und Anne Churchland (Cold Spring Harbor, New York).

Für die Göttinger Öffentlichkeit bietet die Konferenz am 13.September einen allgemeinverständlichen Vortrag von Prof. Dr. Niels Birbaumer, einem Pionier der Nutzung sogenannter Gehirn-Computer-Schnittstellen. In seinem Vortrag spricht er über das Thema "Gehirn-Maschine-Verbindungen: Wem nutzen sie?", und wird dabei seine jüngsten Fortschritte bei der Überwindung des Locked-in-Syndroms präsentieren. Menschen mit Locked-in-Syndrom sind zwar bei Bewusstsein, jedoch körperlich fast vollständig gelähmt und unfähig ist, sich sprachlich oder durch Bewegungen verständlich zu machen. Den diesjährigen Brains for Brains Award erhält die Nachwuchswissenschaftlerin Elise Rowe aus Melbourne in Australien. Rowe beschäftigt sich mit komplexer Datenanalyse, beispielsweise der Auswertung von EEG Signalen bei schizophrenen Patienten.

Ein besonderes Vorprogramm zur Konferenz ist in diesem Jahr das Cinema Bernstein. Benjamin Heisenberg, Künstler, Autor und Filmemacher wird seinen preisgekrönten Film Schläfer/ Sleeper vorstellen. Heisenberg, Enkel des gleichnamigen Physik-Nobelpreisträgers, entfaltet in seinem Film vor dem Hintergrund einer durch die Anschläge des 11. September 2001 erschütterten Gesellschaft ein Drama um Liebe, Konkurrenz und Verrat in der Wissenschaft. Vielfach ausgezeichnet als bester Film, erhielt Schläfer unter anderem 2005 den Midas Preis EuroPAWS, als bestes Filmkunstwerk, das im Bereich von Wissenschaft und Technik spielt.

Tagungsort ist das ZHG der Universität am Platz der Göttinger Sieben. Das Cinema Bernstein findet im Deutschen Primatenzentrum, Kellnerweg 4, statt.

 

Originalfassung publiziert bei idw-online

erstellt von Claudia Duppé, Bernstein Koordinationsstelle, Außenstelle des Forschungszentrums Jülich, mit Ergänzungen durch Christian Schloegl, Leibniz-WissenschaftsCampus