Leibniz-WissenschaftsCampus

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Gesammeltes Wissen über Paviane

Pavianforscher trafen sich in Göttingen zum Symposium – „Frontiers in Baboon Research“
Bärenpaviane im Okavangodelta. Foto: Marc Stickler.

Wer sich für die Evolution des Menschen interessiert, kommt um Paviane schlecht herum: Da sie in ähnlichen Habitaten und unter ähnlichen ökologischen Bedingungen leben wie frühe Menschenformen, schafft die Erforschung dieser Primatengattung ein besseres Verständnis für die Bedingungen und Mechanismen sozialer Evolution. Abgesehen davon sind Paviane aber auch für sich genommen höchst spannend. Man unterscheidet aktuell sechs Arten, die unterschiedliche Sozialsysteme und Verhaltensweisen aufweisen, aber gelegentlich auch hybridisieren, ähnlich wie Neandertaler und Homo sapiens im eiszeitlichen Europa. 25 führende Pavianforscher folgten der Einladung von Julia Fischer und Dietmar Zinner und trafen sich vom 17.10 - 20.10.2017 zum Symposium „Frontiers in Baboon Research“ am Deutschen Primatenzentrum.

Ziel des Symposiums war es, das gesammelte Wissen über die verschiedenen Pavianarten zusammenzuführen und neue Forschungsschwerpunkte zu identifizieren. Dafür sollten die Beobachtungen aus mehreren Langzeit-Forschungsprojekten von verschiedenen Feldstationen miteinander in Verbindung gebracht und neueste genetische Erkenntnisse einbezogen werden. Die einzelnen Beiträge zum Symposium und die Quintessenz werden demnächst veröffentlicht. Die DFG, der Leibniz ScienceCampus „Primatenkognition“ sowie die Fakultät für Biologie und Psychologie der Universität Göttingen unterstützten das Treffen finanziell.

Neben den geladenen Sprechern nahmen weitere 45 WissenschaftlerInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen am Symposium teil. Bei schönstem Herbstwetter trafen die Teilnehmer in Göttingen ein. Dabei kamen einige direkt von ihrer Feldstation und hatten entsprechend abenteuerliche Reisewege hinter sich. Die Atmosphäre war von Beginn an sehr familiär, da das Forschungsfeld recht klein ist und sich viele der Teilnehmer persönlich kannten. Clifford J. Jolly, eröffnete das Symposium mit einem öffentlichen Vortrag. Er ist emeritierter Professor der New York University und begann bereits in den 60er Jahren Paviane zu untersuchen. In seinem Vortrag „The fourth dimension“ betonte er die Wichtigkeit einer historischen Erklärungskomponente um die Eigenarten verschiedener Pavianarten zu verstehen; diese wären alleine durch ein rein ökologisches Modell nicht zu erklären. Dabei gab er einen detaillierten Überblick über die unterschiedlichen Pavianarten.

Am nächsten Tag ging es weiter mit der Reise in die evolutionäre Geschichte der Paviane. Jeffrey Rogers, Sprecher des Baboon Genome Analysis Consortium, referierte über die Sequenzierung des Paviangenoms. Erste Ergebnisse zeigen, dass es in der Vergangenheit mehrfach Genaustausch zwischen den Arten gegeben haben muss, es kam also zu Hybridisierung. Anschließend verschob sich der Fokus der Vorträge auf das Verhalten der Tiere und auf die Beobachtungen aus den Feldstationen. Die Sprecher präsentierten unter anderem Ergebnisse ihrer Studien aus dem Gombe Nationalpark, Tansania (Anthony Collins), dem Amboseli Nationalpark, Kenia (Susan Alberts) und Gashaka Gumti Nationalpark, Nigeria (Caroline Ross) und dem Niokolo Koba Nationalpark, Senegal (Julia Fischer), wo die Abteilung Kognitive Ethologie des DPZ eine Feldstation betreibt, um das Verhalten der noch wenig erforschten Guinea-Paviane zu untersuchen. Der späte Mittwochnachmittag gab dann besonders den Nachwuchswissenschaftlern die Gelegenheit ihre Ergebnisse auf einer Postersession darzustellen.

Auch am dritten Tag des Symposiums folgte ein Vortrag dem nächsten. Der Abend, an dem alle Teilnehmer zum Konferenzdinner im Foyer des DPZ eingeladen waren, gab aber ausreichend Zeit die Diskussionen bei einem Glas Wein zu vertiefen. Am Freitag rückte mit dem Vortrag von Joël Fagot (Aix Marseille Université) schließlich die Kognition in den Mittelpunkt. Joël Fagot stellte dar, wie kognitive Leistungen von Pavianen durch unterschiedliche Kontexte, beispielsweise die An- oder Abwesenheit anderer Tiere, beeinflusst werden können. Das Symposium endete mit zwei Diskussionsgruppen, in welchen über weitere Projekte in der Paviangenetik und der Feldforschung diskutiert wurden.

erstellt von Rebecca Jürgens