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Gleich und Gleich gesellt sich gern

Göttinger Verhaltensbiologen überprüfen biologisches Prinzip an freilebenden Assammakaken
Zwei männliche Assammakaken. Foto: Oliver Schülke
Zwei männliche Assammakaken zusammen mit einem Säugling. Foto: Piya Saaisawatikul
Zwei männliche Assammakaken zusammen mit einem Säugling. Foto: Piya Saaisawatikul
PD Dr. Oliver Schülke, Wissenschaftler in der Abteilung Verhaltensökologie der Universität Göttingen und in der Forschungsgruppe Soziale Evolution der Primaten am Deutschen Primatenzentrum. Foto: Karin Tilch
PD Dr. Oliver Schülke, Wissenschaftler in der Abteilung Verhaltensökologie der Universität Göttingen und in der Forschungsgruppe Soziale Evolution der Primaten am Deutschen Primatenzentrum. Foto: Karin Tilch
Anja Ebenau, Doktorandin in der Abteilung Verhaltensökologie der Universität Göttingen, bei der Feldarbeit in Thailand. Foto: Oliver Schülke
Anja Ebenau, Doktorandin in der Abteilung Verhaltensökologie der Universität Göttingen, bei der Feldarbeit in Thailand. Foto: Oliver Schülke
Zwei Wissenschaftlerinnen beobachten Assammakaken in Thailand. Foto: Oliver Schülke
Zwei Wissenschaftlerinnen beobachten Assammakaken in Thailand. Foto: Oliver Schülke

Gilt „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ oder doch eher „Gegensätze ziehen sich an“? Die jetzt veröffentlichte Studie an thailändischen Affen spricht für ersteres: Verhaltensbiologen und Psychologen vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz- Institut für Primatenforschung und der Universität Göttingen haben beobachtet, dass männliche Assammakaken umso engere Beziehungen zu anderen Männchen eingehen, je ähnlicher sie sich in ihrer Persönlichkeit sind, während sie andere Charaktäre eher links liegen lassen. Dass die Kausalität nicht anders herum verläuft, sich also enge Partner im Laufe der Zeit immer ähnlicher werden, konnte weitestgehend ausgeschlossen werden; Die Persönlichkeit der Affen blieb relativ stabil, auch wenn sie ihre Gruppen und damit ihre Sozialpartner wechselten. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vermuten, dass dieses Verhalten aufgrund eines evolutiven Vorteils entstanden ist: Hat der Freund eine ähnliche Persönlichkeit, so erleichtert dies die Kommunikation und damit auch die Kooperation in kritischen Situationen (Animal Behaviour).

Soziale Bindungen bei Tieren sind definiert als stabile, gleichberechtigte und kooperative Beziehungen, vergleichbar mit Freundschaften beim Menschen. Enge Bindungen zwischen nichtverwandten, erwachsenen Männchen sind für wenige Tierarten beschrieben. Eine enge Bindung zu einem anderen Männchen ist vorteilhaft, verspricht sie doch Unterstützung in kritischen Situationen, wie beispielsweise einer kämpferischen Auseinandersetzung mit anderen Gruppenmitgliedern. Homophilie, also die Tendenz, andere zu mögen, wenn diese einem ähnlich sind, ist sowohl beim Menschen als auch für verschiedene Tierarten beschrieben worden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wir können die Reaktionen unseres Gegenübers umso besser vorhersagen, je ähnlicher er uns ist. Das erzeugt Vertrauen. Aber welche Eigenschaften sind es, die besonders ähnlich sein sollten, damit die Beziehung gelingt?

Im Rahmen des Graduiertenkollegs „Verstehen von Sozialbeziehungen“ des Deutschen Primatenzentrums und der Universität Göttingen hat ein Team um die Doktorandin Anja Ebenau Daten von 24 freilebenden, männlichen Assammakaken im Phu Khieo Reservat in Thailand über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren erhoben. Aus detaillierten quantitativen Verhaltensprotokollen und aus Fragebögen wie sie in der Humanpsychologie verwendet werden, wurde in enger Zusammenarbeit mit den Psychologen Lars Penke und Christoph von Borell die individuelle Persönlichkeit der Männchen beschrieben. So konnte die Ähnlichkeit der Männchen in den Persönlichkeitsdimensionen Geselligkeit, Aggressivität, Freundlichkeit, Wachsamkeit und Selbstvertrauen ermittelt werden. Aus den Datenanalysen geht hervor, dass

die Bindung zwischen zwei Männchen umso enger ist, je ähnlicher sich die Tiere in Bezug auf die Eigenschaft Geselligkeit sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Tiere sehr oder wenig gesellig sind, sie müssen nur im Grad ihrer Geselligkeit übereinstimmen: Zwei eher einzelgängerische Tiere, die anderen aus dem Weg gehen, können eine ebenso enge Beziehung pflegen wie zwei gleichermaßen kontaktfreudige Tiere.

Um auszuschließen, dass es sich nicht andersherum verhält, sich also enge Partner in ihrer Persönlichkeit mit der Zeit immer ähnlicher werden, wurden die Eigenschaften von Männchen untersucht, bevor und nachdem sie in eine Gruppe eingewandert waren und dort neue Sozialpartner gefunden hatten. Es stellte sich heraus, dass die Persönlichkeit der Tiere recht stabil blieb, sich also nicht mit einem neuen Freund veränderte.

„Wir gehen davon aus, dass es sich bei Homophilie als Strategie für die Partnerwahl um ein generelles biologisches Prinzip handelt, das tief in der Evolution von Menschen und Tieren verankert ist“, sagt Oliver Schülke, Wissenschaftler in der Abteilung Verhaltensökologie an der Universität Göttingen und Leiter der Studie. Es haben also diejenigen Individuen einen Vorteil, deren Partner einen ähnlichen Charakter haben. „Ein Grund könnte sein, dass ähnliche Persönlichkeiten auch ähnliche Bedürfnisse haben, sich besonders gut verstehen, effektiv kommunizieren und damit erfolgreichere Kooperationspartner sind“, sagt Schülke. Ob Koalitionen gleichartiger Persönlichkeiten tatsächlich siegreicher aus Kämpfen hervorgehen und damit länger einen hohen Dominanzrang verteidigen können, soll in einer Folgestudie untersucht werden.

Originalpublikation:
Ebenau A, von Borell C, Penke L, Ostner J, Schülke O (2019): Personality homophily affects male social bonding in wild Assamese macaques, Macaca assamensis. Animal Behaviour, Volume 155, Pages 21-35, September 2019, doi.org/10.1016/j.anbehav.2019.05.020