Leibniz-WissenschaftsCampus

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Leibniz-WissenschaftsCampus Primatenkognition geht in die zweite Runde

Vom Deutschen Primatenzentrum und der Universität Göttingen gemeinsam aufgebautes Forschungsnetzwerk wird nach erfolgreicher Begutachtung für vier weitere Jahre gefördert
Guineapaviane an der DPZ-Feldstation Simenti im Senegal. Foto: Matthias Klapproth
Berberaffenmännchen. Foto: Dana Pfefferle
Berberaffenmännchen. Foto: Dana Pfefferle
Die neue Experimentalplattform erlaubt es, soziale Interaktionen zwischen zwei Personen zu testen, die durch einen transparenten Bildschirm getrennt sind. Touchscreens registrieren jede Bildschirmberührung, während Sensoren die Blickrichtung, Mimik, Gestik, Herzschlag und Äußerungen der Probanden aufzeichnen. Foto: DPZ
Die neue Experimentalplattform erlaubt es, soziale Interaktionen zwischen zwei Personen zu testen, die durch einen transparenten Bildschirm getrennt sind. Touchscreens registrieren jede Bildschirmberührung, während Sensoren die Blickrichtung, Mimik, Gestik, Herzschlag und Äußerungen der Probanden aufzeichnen. Foto: DPZ
Prof. Dr. Julia Fischer, Sprecherin des Leibniz-Wissenschaftscampus Primatenkognition. Foto: Karin Tilch
Prof. Dr. Julia Fischer, Sprecherin des Leibniz-Wissenschaftscampus Primatenkognition. Foto: Karin Tilch

Das erzwungene „Social Distancing“ zu Corona-Zeiten ruft in Erinnerung, welche Rolle das Sozialleben für uns spielt. Gleiches gilt auch für unsere nächsten Verwandten, die nicht-menschlichen Primaten. Aber wie steuern Primaten ihre sozialen Beziehungen? Worauf achten sie, welche Bedeutung haben Emotionen, welche Gehirnprozesse lenken Interaktionen, und wie werden soziale Entscheidungen getroffen? Seit 2015 widmet sich der Leibniz-WissenschaftsCampus Primatenkognition diesen und anderen Fragen zum Sozialleben von Menschen und Affen.

„Die Idee der WissenschaftsCampi ist es, die lokale Zusammenarbeit zwischen Leibniz-Instituten und Universitäten zu stärken“, sagt Julia Fischer. Als Professorin der Universität Göttingen und Abteilungsleiterin am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung leitet sie den WissenschaftsCampus. „Uns ist diese Integration von Beginn an sehr gut gelungen; heute beteiligen sich Feldforscher, Neurowissenschaftler, Psychologen, Mediziner und Sprachwissenschaftler.“

Interdisziplinäre Projekte sind sehr anspruchsvoll und haben es oft schwer, ins Laufen zu kommen. „Wir haben deshalb versucht, eine Lücke zu schließen und ein eigenes Förderprogramm entwickelt. Unsere Mitglieder können sich im Team um Anschub-finanzierungen bewerben; die vielversprechendsten Projekte unterstützen wir“, erklärt Hannes Rakoczy, Entwicklungspsychologe an der Universität und gemeinsam mit Julia Fischer im Direktorium des WissenschaftsCampus. „Das Konzept trägt Früchte: Die Gutachter waren beeindruckt, welchen kooperativen und interdisziplinären Geist wir in Göttingen etablieren konnten; durch unser Förderprogramm wurde eine Vielzahl neuer Kooperationen angestoßen.“

Wichtig für die Göttinger Wissenschaftler ist zudem der Ausbau der gemeinsam genutzten Infrastruktur. So investierte der WissenschaftsCampus in die Neuentwicklung modernster Experimentalplattformen. „Unsere Plattformen machen es möglich, soziale Interaktionen von Affen und Menschen in bislang unerreichter Genauigkeit und Datenvielfalt experimentell zu untersuchen“, berichtet Stefan Treue. Als Direktor des Deutschen Primatenzentrums und Mitglied des WissenschaftsCampus begleitet er diese Entwicklung von Beginn an. „Die Gutachter bestätigen uns, dass wir ein exzellentes wissenschaftliches Umfeld geschaffen haben; die Forschungsprogrammatik und die vorhandene Infrastruktur wurden als einmalig bewertet.“

Im Wettstreit von 21 Standorten konnten sich neun Einrichtungen durchsetzen, darunter der Göttinger WissenschaftsCampus. Den erneuten Erfolg in einem hochkarätigen Wettbewerb sieht Fischer als Anerkennung und Ansporn. „Wir können auf unseren vielfältigen Vorarbeiten aufbauen. In den nächsten vier Jahren wollen wir die Integration der Datenwissenschaften vorantreiben; nur die Betrachtung unserer Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln erlaubt es uns, ein umfassendes Verständnis von Sozialverhalten und Intelligenz von Primaten zu erzielen.“